13.12.2012

Museumsbetrieb gefährdet

13.12.2012

Gemeinde Herbertingen will wegen zu zahlender Defizite die Verträge zur Heuneburg mit dem Land Baden kündigen. Besucherbetrieb bleibt 2013 wie bisher aufrecht erhalten

"Wir haben mit unserem Beschluss die Zukunftsfähigkeit des Freilichtmuseums Heuneburg gesichert", so interpretiert der Herbertinger Bürgermeister Michael Schrenk den landesweit beachteten Gemeinderatsbeschluss vom Dienstagabend. Die Bürgervertretung hat einstimmig beschlossen, die beiden Gestattungsverträge mit dem Land Baden-Württemberg über die Nutzung des Areals der ehemaligen Heuneburg und des davor liegenden Parkplatzes zu kündigen. Der Hintergrund liegt in den bislang rund 200 000 Euro pro Jahr, die die Gemeinde für den Museumsbetrieb als Defizit übernehmen muss.

Der Bürgermeister erläutert im SÜDKURIER-Gespräch zunächst, dass der Museumskomplex differenziert betrachtet werden müsse. Michael Schrenk: "Das Heuneburgmuseum besteht aus der Freillichtanlage und dem Museum in der Zehntscheuer von Hundersingen." Von dem Beschluss sei ausschließlich das Freilichtmuseum betroffen. Schrenk: "Die Gemeinde Herbertingen wird das Museum in der Zehntscheuer wie bisher weiter führen." Gekündigt wurden wie erwähnt, die Gestattungsverträge zwischen der Kommune und dem Land. Dazu habe es Vorgespräche im Wirtschaftsministerium in Stuttgart gegeben. Schrenk: "Ich hatte das Gefühl, der zuständige Staatssekretär hat uns geradezu ermutigt, diesen Schritt zu tun." Dazu kommt, dass in dem bisherigen Gestattungsvertrag zur Nutzung des archäologisch international bedeutsamen, ehemaligen Siedlungsgeländes der Kelten, Formulierungen enthalten sind, die aus dem heutigen Stand der Dinge nur noch merkwürdig erscheinen.

Der Bürgermeister nennt ein Beispiel: "In einem Paragrafen ist geregelt, dass sich die Gemeinde verpflichtet, beim Rückzug aus dem Museumsbetrieb die auf dem Plateau errichteten Gebäude wieder zu entfernen und das Areal im ursprünglichen Zustand an das Land zurückzugeben." Angesichts der in den vergangenen Jahren für rund 3,5 Millionen Euro errichteten Gebäude, darunter auch die Rekonstruktion der ehemaligen Verteidigungsmauer, habe dieser Vertragspassus ohnehin seine Berechtigung verloren. Immerhin, so betonte der Rathauschef, habe die Gemeinde aus ihren Mitteln rund ein Drittel der Baukosten finanziert. Nach einem von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Gutachten gehören die Gebäude aber voll dem Land.

Der Beschluss gilt vom 31. Oktober 2013 an. Damit, so erläutert Schrenk, sei für dieses Jahr noch der volle Betrieb nach dem bisherigen Schema und der Besuch von Interessierten möglich. Die Frage nach der Zukunft müsse seinen Ausführungen nach, in den nächsten Wochen und Monaten noch geklärt werden. Die Gemeinde, so Schrenk, könne sich durchaus vorstellen, sich auch in den kommenden Jahren mit einem Betriebszuschuss an der Weiterführung des Freilichtmuseums durch das Land zu beteiligen. Vielleicht, so der Herbertinger, könne das Museum über die landeseigene Stiftung "Schlösser und Gärten" doch noch weiter betrieben werden. Jedenfalls lägen genügend Hinweise aus der Landeshauptstadt vor, dass der Wunsch der Gemeinde, das Areal auch in Zukunft der Öffentlichkeit zu erhalten, von der Regierung in praktischen Alltag umgesetzt werden könnten. Im Vergleich zum bäuerlichen Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck, das jährlich fast 100 000 Besucher verzeichnet, bedauert es Michael Schrenk, dass es bislang nicht möglich war, ein vergleichbares Begleitprogramm auf die Beine zu stellen. Schrenk: "Wir durften es nicht."

Gestern sind zwei Stellungnahmen zum jetzigen Geschehen um die Heuneburg eingegangen. Landrat Dirk Gaerte erklärte unter anderem zur Schließung: "Was die Kündigung des Vertrags durch die Gemeinde Herbertingen betrifft, so habe ich dafür ein gewisses Verständnis, weil es eine Gemeinde mit knapp 5000 Einwohnern überfordert, zwei überregional bedeutsame Museen vorzuhalten und zu finanzieren." Das Freilichtmuseum gehöre dem Land vom Eigentum her und erfahre zu Recht durch das Land investive Förderung. "Wir haben den Vorschlag unterbreitet, dass wir an einer regionalen Lösung mit gemeinsamer Trägerschaft zusammen mit der Gemeinde und einer symbolischen Summe von 25000 Euro arbeiten." Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Hauk (MdL) und Klaus Burger (MdL) aus Sigmaringen nahmen Stellung. Die Heuneburg sei eines der wertvollsten Kulturdenkmale des Landes. Dennoch könne die CDU-Landtagsfraktion die Entscheidung des Gemeinderates nachvollziehen. Es könne nicht sein, dass sich die Landesregierung aus der Verantwortung stehle, unterstrichen beide. "Dazu muss die Landesregierung ihre Unterstützung zusagen", betonten Fraktionsvorsitzende Peter Hauk und Klaus Burger.

Von Hermann-Peter Steinmüller (Südkurier)